Dr. Spaßbremse

Heute war es also soweit: ich hatte meinen ersten Termin in einer neuen Praxis, in einem neuen Land. Ich konnte mich endlich dazu aufraffen da anzurufen und mir einen Termin zu holen. Zum Glück muss ich nicht lange warten. Es ist eine Ärztin, sie scheint viel um die Ohren zu haben. Ich gebe ihr all meine Vorbefunde (und das sind ne Menge), sie notiert sich Dinge und guckt meine MRT Bilder an. Dann kommt die obligatorische neurologische Untersuchung, dich ich persönlich immer als ein wenig entwürdigend finde. Vor allem weil man die Hosen, Socken und Schuhe ausziehen muss und dann wie bei einer Alkoholkontrolle mit geschlossenen Augen auf und ab gehen oder sich mit den Fingern an die Nasenspitze fassen muss. Als ich dann da so in meinem Schlüpfer stand und mich umdrehte, um auf den Zehenspitzen zum Schrank zu laufen fragt die Ärztin „Sie  machen keinen Sport, was?“ Ähm, danke. Weil die Untersuchung noch nicht peinlich genug ist. Ich fasse mir unbewusst an meine Oberschenkel und gebe kleinlaut zu „Nein, mache ich nicht.  Aber ich habe einen körperlich sehr anstrengenden Beruf“ Puh.

Während sie die Reflexe testet und mir in die Augen leuchtet stellt sie mir seltsame Fragen
„Fallen Ihnen oft Dinge aus der Hand?“
„Ja, aber das war immer schon so. Ich bin sehr tollpatschig.“
„Ist es schlimmer geworden in letzter Zeit?“
„Wie? Noch schlimmer, das geht ja kaum noch“

Nächste Frage:
„Sind sie launisch?“
„Ähm, ja… aber ich bin auch eine Frau“
„Ist ihre Muter launisch?“
„Meine Mutter ist schon gestorben“
„Woran?“
„Krebs“
„Wie alt war sie?“
„61“
„Hm. War ihre Mutter also launisch?“
„Naja… vielleicht. Aber sie war auch eine Frau“

Ich befinde Frau Doktor als etwas spaßbefreit. Beste Freundinnen werden wir wohl nicht werden.

Nachdem wir alle Fragen geklärt und alle neurologischen Untersuchungen hinter uns gebracht haben, notiert sie noch mehr in ihren Computer und gibt mir einen neuen Termin für eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung. Und ich muss zum MRT (wie überraschend).
Bisher war auf all meinen MRTs – außer der starken Sehnerventzündung – nichts zu sehen. Man sollte ja weiße Flecken sehen im Hirn. Das sind die bösen Flecken, die von der MS kommen. Auf meinen MRTs sind allerdings keine sichtbar. Wäre wohl durchaus möglich, ungefähr 2% aller Patienten hätten solche MRT Bilder. Warum wundert es mich jetzt nicht, dass ich nicht zu den 98% gehöre?!

Sie teilt mir ganz ernst mit, dass man mich trotzdem als „ganz normale“ MS-Patientin behandeln müsse. Das war mir irgendwie schon klar, aber danke. Mehr könne sie mir jetzt nicht sagen, das besprechen wir nächstes Mal – Ende Jänner ist das übrigens.

Als nächstes: Nervenleitgeschwindigkeitsmessung.

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