Winterdepressionen

Nun bin ich ja von Natur aus schon nicht unbedingt der fröhlichste und positivste Mensch, aber im Winter erreicht das nochmal unübertroffeneTiefen. Ich weiß nicht ob es am mangelnden Sonnenschein oder der Kälte liegt, aber ich entwickle im Winter richtige Depressionen. Nichts macht mehr Spaß (also noch weniger als unter normalen Umständen), ich will nicht rausgehen (was soll ich da auch?!) und friere durchgehend (und das ist keine Übertreibung!).

Es ist mehr so ein Zeit absitzen. So wie früher im Büro, wenn man eigentlich überhaupt nichts mehr zu tun hat, aber einfach bis zum Ende der Arbeitszeit durchhalten muss. Genau so, nur anders. Ich versuche das halbe Jahr möglichst ohne bleibende psychische Schäden zu überstehen, aber es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Und die letzten drei Jahre fast unerträglich. Der Gedanke, dass ich ein halbes Jahr jedes Jahr einfach nur dahin vegetiere wo ich doch nichtmal weiß wieviele „gute“ Jahre ich noch vor mir hab macht mich einfach nur fertig. In der Zeit kann ich als Fotografin, die auf natürliches Licht und Outdoor Aufnahmen spezialisiert ist, natürlich auch nicht arbeiten. Im Sommer arbeite ich bis zur Burn-Out Grenze, hab Null Freizeit und Dauerstress, schlafe kaum und nehme mehrere Kilos ab und im Winter hab ich Langeweile und Depressionen. Natürlich gibt es immer ein wenig zu tun, Bürokram, E-Mails, Vorgespräche, Projekte planen etc. Aber so richtig das gelbe vom Ei ist es auch nicht.

Wie üblich greift hier der bei mir sehr stark geprägte Fluchtreflex. Ich will einfach nur weg. Ich will wo leben, wo die Sonne mehr scheint, die Menschen weniger verkrampft und kleinkariert sind (sorry Deutschland!) und ich auch gleichmäßiger übers Jahr arbeiten kann. Der neueste Tick: Australien. Bisher war es im Kalifornien, aber es scheint ja fast unmöglich zu sein an diese Green Card zu kommen. In Australien ist es nicht ganz so kompliziert, aber das ist dafür weiter weg und man kann nicht mal eben hinfliegen und schauen ob und wo man denn da wohnen möchte. Und wie kriegen wir unsere Katzen dahin? Und können wir soviel Geld sparen, um uns dort erstmal über Wasser zu halten? Am Liebsten würd ich meine Sachen packen und einfach abhauen. Auf unbestimmte Zeit. Rein ins Flugzeug, ab nach Australien, Lage checken und dann „einfach“ umziehen.

Wenn’s nicht so richtig läuft war immer meine Taktik: erstmal weg. Deshalb bin ich auch in 12 Jahren sicher 6 Mal umgezogen. Nirgendwo bin ich zuhause und nirgendwo fühle ich mich wohl. Und im  Winter steigert sich mein Unbehagen ins Unermessliche. Bäh.

Habt ihr Tipps gegen die Winterdepression? Also bitte nicht sowas wie „Lies ein Buch und entspann dich“. Done that, didn’t like it.

Jahrestag

Wir haben offiziell Jahrestag. Also ich und die MS. Obwohl ich nie danach gefragt habe, begleitet sie mich jetzt nun schon exakt drei Jahre meines Lebens. Vor drei Jahren ist all das passiert was ihr ausführlich unter „About“ lesen könnt. Es wurde der erste Schub diagnostiziert. Ein sehr heftiger Schub mit bleibenden Schäden.

In diesen drei Jahren hätte man meinen können, ich würde mich an den ungewollten Begleiter gewöhnen doch das war nicht der Fall. Sogar das Gegenteil – nach den ersten quälenden Monaten mit Untersuchungen, Unsicherheiten, Lumbalpunktion und alles was sonst noch keinen Spaß macht auf dieser Welt habe ich es einfach zur Seite geschoben. Gelegentlich holte es mich dank Schüben, Schmerzen oder Beschwerden zwar ein, aber so eine richtige Dauerlösung hab ich auch nach ganen drei Jahren nicht gefunden. Aber der Termin mit Dr. Spaßbremse rückt in greifbare Nähe und so werde ich vielleicht bald wissen was ich in Zukunft zu tun und zu lassen habe.

Aktuell quält mich übrigens grad eine sehr fiese Grippe (Immunsuppression hallo!), die irgendwie schon wieder meine Augen beeinflusst. Ich hab das Gefühl mein schon geschädigtes Aug ist wieder schlimmer und auf meinem gesunden sehe ich zur Zeit auch eher schlecht als recht. Macht mir schon große Sorgen, ich hoffe es vergeht wenn die Grippe vergeht, denn so fällt es mir schwer durch den Sucher meiner Kamera überhaupt irgendwas zu erkennen. Aber bevor man mir jetzt nachsagt, ich sei immer nur so negativ (wie kommen Menschen da überhaupt drauf?!) führe ich das jetzt einfach mal nicht weiter aus.

Stattdessen zeige ich euch ein Video, das auch ziemlich genau vor drei Jahren zum Welt MS Tag gedreht wurde und mich damals wie heute immer noch berührt:

Terminkollisionen

Man darf mir gerne applaudieren. Wofür? Ich habe es geschafft mir endlich einen „längeren“ Termin bei meiner „neuen“ Neurologin (aka Dr. Spaßbremse) zu holen und der ist AUSGERECHNET an dem einzigen Tag im Januar an dem ich nicht kann. Eh klar. Als Selbstständige kann ich ja viel selbst einteilen, aber das ist ein Termin der schon länger steht und wichtig ist.

Jetzt musste ich den lange ersehnten Termin wieder verschieben und warte nochmal drei Wochen länger auf dass man mir Audienz gewähre. Und das ist ausgerechnet an unserem Jahrestag. Ich kann somit schon vorhersagen, dass meine Laune an diesem Tag nicht grad umwerfend sein wird. Außerdem begleitet mich mein Freund zu diesem Termin, damit er auch hört was Dr. Spaßbremse zu sagen hat. Ich vergesse (oder verdränge) gerne die Hälfte und es fällt mir schwer alles verständlich wiederzugeben. Aber wenn er gleich mitkommt, hört er es selbst und immerhin betrifft ihn diese MS ja auch. Irgendwie. Peripher.

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude und so hab ich noch ein paar Wochen länger was davon. Juhu.