Ein teurer Spaß

So, diesmal versprech ich erst gar nicht mehr mich zu bessern und häufiger zu schreiben, denn offenbar kann ich das eh nicht halten. Falls es hilft: diesmal hab ich eine super Ausrede. Wir ziehen um. Yay. Fluch und Segen. Ich hatte mich ja immer beschwert in der Kleinstadt festzuhängen und nicht in die Großstadt zu kommen. Wider Erwarten hat es nun doch mal geklappt mit einer Wohnung und deshalb dreht sich seit einiger Zeit alles um Möbel, Wandfarbe, Putzmittel und all die kleinen, unvorhergesehenen Dinge, die bei einem Umzug auf einen zukommen. Man sollte meinen dass mich nach meinem 8. Umzug nichts mehr überraschen kann, aber doch – es kann.

Was ich eigentlich sagen wollte: ich war mal wieder Avonex in der Apotheke holen. Vor mir war eine ältere Dame dran, die sich gewundert hat warum sie denn 10 Euro zuzahlen müsse statt nur fünf. Da hat die nette Apothekerin erklärt, dass ihr Medikament schon über 200 Euro kostet und sie deshalb 10 Euro zahlen müsse. Da war die Dame beruhigt und glücklich, dass sie nicht den Rest auch zahlen muss. Das hat mich auf eine Idee gebracht. Nachdem ich mein Avonex verstaut hatte und mir noch ein paar Desinfektionsdinger erschnorrt hab, hab ich einfach auch mal ganz vorsichtig gefragt „Nur so aus Interesse. Was kostet dieses Avonex eigentlich?“ Die Apothekerin antwortet wie aus der Pistole geschossen „Viel. Sehr viel“ Ich will es genau wissen, sie tippselt in ihren Computer und spricht dann aus „1.788,- Euro genau“. Ich murmle ein kurzes „Danke“ und verschwinde.

EINTAUSENDSIEBENHUNDERTACHTUNDACHTZIG.

Wow.

Das macht pro Spritze exakt 447 Euro. Jeden Mittwoch schieße ich mir mehr Geld in den Oberschenkel als andere in einer Woche verdienen. Sollte ich jetzt weniger jammern, wenn’s mir total dreckig geht danach?

In einem Jahr schieße ich mir also 21.456 Euro in die Beine.

EINUNDZWANZIGTAUSENDVIERHUNDERTSECHSUNDFÜNFZIG.

Doppelwow.

Das ist ein Kleinwagen. (Gut, unser Auto hat nur 5.000 Euro gekostet, aber das ist eine andere Geschichte). Das ist eine halbe Weltreise. Das ist so unfassbar viel Geld. Und ich jammer immer nur.

Man muss sich das mal von der anderen Seite vorstellen. Soviel Geld zahle ich ja nichtmal ein in die Krankenkasse. Ich zahle vielleicht ein Viertel davon selbst. Und mit diesen Kosten ist es ja nicht getan, ich hab ja auch Arztkosten und andere Medikamente. Irgendeine andre, arme Wurst, die nie krank ist aber immer in die Krankenkasse einzahlt finanziert mich mit. Ich danke dieser armen Wurst von Herzen. Aber ins Grübeln bringt mich das schon ein wenig. Ich will mir das Zeug nicht so richtig spritzen, es geht mir immer beschissen danach, von den psychischen Problemen brauchen wir gar nicht erst anzufangen – und dann kostet der Scheiß auch noch ein Vermögen. Hm.