Just another Arschloch Donnerstag

Vor kurzem hatte ich mal wieder die ungeliebte Kombination von „Spritzen-Mittwoch“ und „Arschloch-Donnerstag“ hinter mir. Für alle, die es nicht wissen: ich spritze mir seit vielen Monaten am Mittwoch Abend Avonex in den Oberschenkelmuskel und leide daraufhin Donnerstag vor mich hin. Das hat natürlich mein Leben etwas auf den Kopf gestellt. Alles plane ich um diese zwei Tage herum. Donnerstag ist zu meinem unfreiwillig freien Tag geworden, das heißt ich arbeite „nur“ im Büro und versuche mich von Aufträgen wo ich tatsächlich mit meiner Kamera raus muss zu drücken. Das klappt in 90% der Fälle eigentlich ganz gut, aber letzte Woche ließ es sich nicht vermeiden. Der Termin musste an einem Donnerstag stattfinden und das auch noch vormittags. Entsprechend gestresst war ich deswegen, aber hilft ja nix. Es war ein netter Auftrag, auf den ich mich unter normalen Umständen gefreut hätte.

Mittwoch Abend dann die übliche Spritzenprozedur, wobei ich echt Routine entwickelt hab. Eigentlich. Denn diesmal fiel’s mir echt mal wieder schwer abzudrücken. Ich musste mich echt zusammenreißen und überwinden.

Die Nacht war kurz, ich schlafe seit einigen Wochen eher unregelmäßig, schlecht und erst sehr sehr spät. Als am nächsten Tag der Wecker um 7 Uhr morgens klingelte, konnte ich mich kaum bewegen. Arschloch-Donnerstag war offiziell hier und machte seinem Namen alle Ehre. Erstmal ins Bad schleppen, eine Ibuprofen600 einwerfen und los zum Termin. Jetzt wieder das professionelle Gesicht aufsetzen, die gute gelaunte Fotografin sein und ja nichts durchblicken lassen. Das ist echt zermürbend. Zusätzlich zu den Schmerzen muss man auch noch so tun als hätte man gar keine und wär alles super. Manchmal würd ich’s den Leuten einfach gerne sagen. „Hey, mir geht’s heute nicht so gut. Ich habe große Schmerzen, weil ich mir gestern Abend ein starkes Medikament gespritzt hab“ Aber kannste ja nicht. Auf die Frage „Wie geht’s“ antworte ich meinen Standard „Gut, danke und selbst.“

Ich war schon lange nicht mehr so froh, dass ein Shooting vorbei ist. Arbeit konnte ich zum Glück ganz gut machen (denke ich zumindest). Aber es bewegt mich mal wieder dazu über diese ganze Avonex-Sache nachzudenken. Ist es das wirklich wert, zwei Tage in der Woche so neben der Spur zu sein um VIELLEICHT später etwas davon zu haben? Und wer kann mir helfen diese Entscheidung zu treffen? Ich finde, es ist keine Lebensqualität wie es derzeit ist und ich ziehe das schon sehr lange durch. Wie lange genau weiß ich gar nicht, aber sicher schon um die 8 Monate. Es hat sich deutlich gebessert zu den ersten Malen. Oh gott, die ersten Wochen waren eine einzige Hölle. Aber so richtig gut ist es jetzt halt auch nicht. Irgendwie hab ich mir das so nicht vorgestellt, das Leben.

Am Freitag war ich übrigens zu einer kleinen Weihnachtsfeier eingeladen. Darüber hab ich mich sehr gefreut, dass ich schon etwas Anschluss in der neuen Stadt gefunden habe. Die Nachwirkungen von Arschloch-Donnerstag waren noch spürbar, deshalb hab ich noch eine Ibuprofen eingeworfen. Die Feier fand in einem Weinlokal statt und es wurde flaschenweise leckerer Wein bestellt. Ich trinke ja seit der Diagnose kaum noch, weil ich gefühlt ständig Tabletten, Cortison, Avonex oder sonstwas nehme. Aber ich hab mir zwei Gläschen Weißwein genehmigt und war daraufhin ziemlich beschwipst. Ich möchte einfach nicht ständig über alles nachdenken. Kann frau mit 31 Jahren nicht einfach mal ganz unbeschwert und ohne zu überlegen ein Gläschen Weißwein trinken?

Ich muss in nächster Zeit eine Entscheidung treffen, ob ich das Avonex weiter nehmen möchte oder etwas anderes mache. Oder ob ich gar nichts mache. Noch habe ich keine Ahnung wie ich das entscheiden soll, aber zuerst muss ich sowieso mal einen neuen Arzt finden. Das klingt nach Spaß!

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3 Gedanken zu „Just another Arschloch Donnerstag

  1. Ich bin auch im Club der Avones spritzer 🙂
    Ich komme mitlerweile sehr gut damit zu Recht. Aber wie bei dir waren die ersten Wochen die absolute Hölle. Fieber, Schüttelfrost, Krämpfe… und all das andere.
    Mein Spritztag ist Freitag abends. Samstags kann man dann auch verballert durch die Gegend eiern ohne das es groß jemanden stört. Ich trinke im übrigen immer wenn ich spritze. Das hat keinen Einfluss auf das Avonex.
    Wenn du mal einen Termin hast der dir in die Quere kommt, kannst du die Injektion auch um 24 Std. verschieben. Das habe ich auch schon ein paar Mal gemacht.
    Unterm Strich würde ich sagen: „Denk nicht so viel nach, mach einfach“.
    LG

    • Danke für deinen Kommentar, Thinuviel!

      Wegen dem Avonex mach ich mir auch keine Gedanken was das Gläschen Wein oder Sekt angeht – es ist mehr wegen den unzähligen Ibuprofen, die ich dazu einwerfe 😉 Das ist ein sehr günstiger Trip, nach zwei Gläschen ist man kurz vorm Komasuff… haha

      Ich hab als Selbstständige kein Wochenende, da ich auch viele Hochzeiten fotografiere und die sind immer samstags 😉 Deshalb ist Donnerstag mein „unfreiwillig“ freier Tag.

  2. Auch ein Avonexer hier. Mein spritzen Tag ist der Samstag, also Sonntag fürn „Arsch“. Falls du noch Probleme mit Ibuprofen hast probier mal Arcoxia 90mg, hatte anfangs starke Nebenwirkungen und diese haben sich durch Arcoxia in Luft aufgelöst. Schöne grüße Marco

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