Zwischenbericht

Ich bin gerade immer noch im Ausland unterwegs, übermorgen fliege ich aber nach Hause. ENDLICH. Mir ist das reisen und der damit verbundene Stress und teilweise vielen Aufträgen in kurzer Zeit schon manchmal zuviel. Aber das ist halt teil meines Jobs.

Die letzte Spritze ist fast eine Woche her und es geht mir wieder halbwegs erträglich. Ich nehme aber immernoch Ibuprofen, weil ich mich immer noch sehr schlapp fühle und Kopfschmerzen habe.

Morgen wäre es soweit und ich müsste mir die nächste Avonex verpassen. Habe beschlossen es nicht zu tun. Ich kann es einfach nicht. Allein der Gedanke daran treibt mir Tränen in die Augen und alles verkrampft sich total. Vor allem weil ich übermorgen zurück fliegen muss und dann sicher noch unter den heftigen Nebenwirkungen leide. Erstmal hab ich die Mission auf Mittwoch verschoben. Da bin ich abends wieder zuhause und am Donnerstag hab ich keine Termine und kann den ganzen Tag zuhause vor mich hin wimmern, wenns wieder so schlimm wird wie letztes Mal.

Ich frag mich allerdings immer noch, ob es den Aufwand wirklich wert ist. Oder ob ich lieber gleich auf ein Präperat wechseln soll, dass man sich öfter spritzt?! Hab wirklich Angst, dass es mit diesem Avonex Scheiß auch in einigen Wochen nicht besser wird. Ich versuch zwar nicht zu oft dran zu denken, dass ich mir bald die nächste Spritze geben muss, aber ich tu’s trotzdem. Ständig muss ich dran denken, dass ich es ja wieder machen muss. Darunter leidet die Lebensqualität enorm. Also nicht nur die Nebenwirkungen selbst sondern auch diese Panik. Ich zweifel wirklich stark daran, dass es sich lohnt….

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Avonex – mein 1. Mal!

Wow, ich hab schon wieder ganz lange nichts geschrieben. Dabei habe ich doch Besserung gelobt. Zu meiner Verteidigung: Jobtechnisch ist grad viel zu tun, die Auftragslage ist gut und als Selbstständiger ist man ja darauf angewiesen. Also arbeite ich weiter auf mein Burn Out hin und schlag mich gar nicht schlecht dabei.

Gestern war es also soweit. Mein allererstes Mal und zwar mit dem Avonex Pen. Und um die Spannung schonmal vorweg zu nehmen: es war schrecklich.

Nach gar nicht allzulanger Überlegungen habe ich mich für ein Interferon Präparat entschieden, dass man nur einmal wöchentlich, dafür aber direkt in den Muskel spritzen muss. Ich habe nicht verstanden warum sich Menschen freiwillig für ein Präperat entscheiden, dass sie täglich oder alle zwei Tage spritzen müssen (dafür nur unter die Haut.)

Hier gibt’s für alle Interessierten die Website von Avonex: http://www.avonex.com/

Jedenfalls gibts dafür jetzt so einen praktischen „pen“. Baut man zusammen, hält mit einer Schablone am Oberschenkel an, desinfiziert und drückt fest auf einen Knopf. Mit einem lauten Knall fährt dann die Nadel bis in den Muskel. Dann hält man das 10 Sekunden so bis das ganze Zeug drin ist und ziehts wieder raus. Produziert eine Haufen Plastikmüll und kostet ein Vermögen. Also der Krankenkasse. Habe ich gestern auch in meiner Spritzenschulung gelernt. Da übt man erstmal mit einem „Training Kit“ das Spritzen bevor man die erste Spritze selbst in den Muskel setzt.

Die Überwindung tatsächlich abzufeuern ist natürlich – gerade beim ersten Mal – relativ groß. Man weiß ja nicht wie sich das anfühlt und ob man alles richtig macht. Ich finde, ich habe mich wacker geschlagen und keine 10 Minuten rumgeeiert. Also 10 Minuten hab ich die Spritze schon auf dem Oberschenkel angesetzt gehabt bevor ich tatsächlich gedrückt hab. Nachdem wir vorher eine Stunde lang Trockenübungen durchgemacht haben. Meine Befürchtung war, dass ich durch den Knall, den Druck und natürlich das Gefühl im Muskel so sehr erschrecke, dass ich die Nadel gleich wieder rausziehe oder zucke. Aber dem war nicht so. Und im Nachhinein kann ich sagen, dass die erste Spritze wohl die harmloseste war. Denn was danach kam, hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können. Die Nebenwirkungen. Man nimmt ja zusätzlich und mehrfach am Tag Schmerztabletten, um die Nebenwirkungen einzudämmen. Ibuprofen 600er haut man sich rein. Aber wenn man sich ein Mittel wie Interferon spritzt sind die paar Ibuprofen täglich zusätzlich wahrscheinlich Peanuts. Meine Nieren danken.

Direkt nach der ersten Spritze war ich erleichtert, es kam nur ein kleiner Tropfen Blut und der Stich selbst war trotz Knall und Druck und Erschrecken nicht so schlimm. Danach spürt man den Muskel ein wenig, ein bisschen wie Muskelkater. Also nach Hause gefahren und einfach ein paar Stunden weiter gearbeitet.

Und. dann. gings. los.

Es kam eigentlich schleichend mit Rücken- und Beinschmerzen, die auch noch nicht so schlimm waren. Dann kamen Kopfschmerzen dazu. Und Übelkeit. Das alles steigerte sich so sehr, dass mir jeder Atemzug weh tat. Und mir war eiskalt, ich dachte mir fallen gleich die Füße ab vor Kälte. Gleich nochmal ein Ibuprofen 600 reingehaut in der Hoffnung, das dämmt das ganze ein wenig. Nach einiger Zeit war alles einfach nur noch unerträglich und ich bin in Tränen ausgebrochen. Nachdem ich mich mit letzter Kraft und einem Wärmekissen ins Bett geschleppt hab, habe ich mich stundenlang rumgewälzt und in mein Kissen geheult. Nicht nur die unerwartet starken Nebenwirkungen, auch das Wissen das in Zukunft jede Woche machen zu müssen und die damit verbundene Angst und Panik hat mich einfach übermannt. Ich frag mich, ob es sich lohnt jede Woche durch diesen Prozess zu gehen nur damit vielleicht der ein oder andre Schub schwächer ausgeprägt ist (denn Schübe verhindern kann auch der Zauberstift Avonex nicht). Die Nebenwirkungen verteilen sich ja auf mehrere Tage, deshalb nimmt man ja Ibuprofen durchgehend. Also jeden Tag. Sonst funktioniert man einfach gar nicht mehr. Es soll zwar angeblich besser werden mit der Zeit, also die Nebenwirkungen sollen im Laufe der Wochen und Monate verblassen, aber das ist heute ein wirklich schwacher Trost.

Die restliche Nacht war ähnlich beschissen wie der Beginn. Schmerzen, Kälte unterbrochen von Hitzewallungen, Angst und Panik. Geschlafen hab ich nicht viel und vor allem nicht gut. Ich bin total durchgeschwitzt, fühle mich widerlich und bin fertig mit der Welt. Alles andre kommt mir plötzlich so klein und unwichtig vor. Wäre ich noch in meinem Angestelltenjob hätte ich heute angrufen und mich krank gemeldet – für den Rest der Woche. Aber für mich geht die Show heute einfach weiter. Denn in nur wenigen Stunden fliege ich schon wieder für ein paar Aufträge ins Ausland und da muss ich funktionieren. Mein falschestes Lächeln aufsetzen und Freude versprühen. Denn so funktioniert das in meinem Job einfach.

Übrigens muss ich die nächste Spritze sogar im Ausland setzen, denn ich bin eine Woche weg. Obwohl ich noch 6 Tage Zeit hab bis dahin, weiß ich jetzt schon nicht wie ich das denn tun soll?! Mir am Abend vor dem Rückflug das Zeug wieder in den Oberschenkel zu rammen mit dem Wissen, wie beschissen es mir daraufhin gehen wird. Und am nächsten Tag soll ich dann zurückfliegen, unausgeschlafen, mit Schmerzen und der nächsten Panikattacke. Ich weiß nicht, ob ich mich tatsächlich dazu überwinden kann nächsten Dienstag.

Und ich kann übrigens nun doch verstehen, warum sich Menschen für ein anderes Präparat entscheiden. Öfter spritzen, kleinere Dosis, weniger Nebenwirkungen. Klingt jetzt auch logischer. Aber manches muss man wortwörtlich erst am eigenen Leib erfahren.

SO, jetzt ein Ibuprofen 600 als Frühstück, eine Dusche und the show must go on!

Spritzentherapie

Wow, es ist schon einen Monat her, dass ich hier was geschrieben hab. Es hat sich in der Zwischenzeit eigentlich nicht viel getan außer dass ich endlich den Termin mit meiner neuen Neurologin aka Dr. Spaßbremse hatte. Möchte vorausschicken, dass sie bei diesem Termin nicht so spaßbremsig aufgetreten ist wie die Male davor und ich sogar das ein oder andre Lächeln in ihrem Gesicht gesehen hab. Steht ihr gut, sollte sie öfter in ihren Alltag einbauen.

Zurück zum Thema: Meine MRT Befunde zeigen zum ersten Mal auch Flecken. Jetzt habe ich es im wahrsten Sinne auch schwarz auf weiß: irgendwas ist da kaputt im Hirn. Komisches Gefühl zu wissen dass da irgendwas abgestorben ist und einen Fleck hinterlassen hat und ich selbst absolut nichts tun kann.

Da auch meine Lumbalpunktion (Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit) vor 3 Jahren bereits ein eindeutiges Ergebnis geliefert hat und ich mind. zwei Schübe an zwei verschiedenen Körperstellen hatte ist es hiermit in Stein gemeißelt. Nicht, dass es mir die letzten drei Jahre nicht schon klar gewesen wäre, aber man hofft ja irgendwie immer noch im hintersten Stübchen, dass es vielleicht eine Fehldiagnose war und ich was ganz andres, sehr seltenes und schwer zu diagnostizierendes hab (Gut, die Frage ist dann: will ich lieber was andres, sehr seltens und schwer zu diagnostizierendes haben?!)

Jedenfalls habe ich bei diesem Termin nichts Neues gelernt:

Ich habe MS. Es ist nicht vererbbar. Man könne weder mit Ernährung noch sonst was es wirklich beeinflussen (natürlich schadet es sich nicht gesund zu ernähren, ist schon klar!). Die Zukunft bringt eben was die Zukunft bringt.

Nächster Schritt: Ich solle mich für eine Spritzentherapie entscheiden. Möglich sind täglich spritzen, alle zwei Tage, 2-3 Mal die Woche und einmal die Woche. Letzteres muss halt in den Muskel und nicht nur unter die Haut gespritzt werden und ist daher etwas anders, aber auch das kann mittlerweile zuhause selbst gemacht werden. Ich solle mir Zeit nehmen darüber nachzudenken. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, worüber man da nachdenken muss – ich will möglichst selten spritzen also will ich die einmal/Woche Variante. Nebenwirkungen haben wie ja doch alle und sich selber spritzen ist immer unangenehm – also warum sollte irgendjemand überhaupt was andres wählen als nur einmal die Woche?!

Natürlich habe ich es bis dato nicht geschafft mir einen Termin zur Spritzenschulung zu holen. Man muss ja erstmal lernen sich eine Nadel in den Muskel zu rammen, da gibt’s ja einiges zu beachten. Außerdem muss ich mich für einen Wochentag entscheiden wo ich das mache, am nächsten Tag gehts einem nämlich wohl auch nicht so gut. Da ich einen sehr unregelmäßigen Job habe und dadurch auch viel reise (vor allem am Wochenende) werde ich mich für Dienstag entscheiden und hoffen dass ich zwischen meinen fotografischen Aufträgen und Buchungen das alles über die Bühne bringe.

Melde mich wieder, diesmal früher – versprochen!

Fragen Fragen Fragen

Bald ist es soweit, ich habe meinen „längeren“ Termin mit Dr. Spaßbremse. Der erste wirklich ernsthafte Termin seit langer Zeit. Seit meinem Umzug habe ich das Thema ganz nach hinten geschoben und ignoriert und Ende letzten Jahres habe ich mich nun doch aufgerafft und mir einen neuen Arzt in der Gegend gesucht. Obwohl die MS schon vor drei Jahren festgestellt wurde, habe ich sie bisher mehr oder weniger erfolgreich einfach ignoriert. Nach den anfänglichen Untersuchungen und Prozeduren hab ich mich nicht wirklich weiter drum gekümmert. Aber nachdem alle andren Ärzte – vom Hausarzt über Zahnarzt bis hin zum Hautarzt – mir raten „es mal wieder anschauen zu lassen“. Man muss ja sogut wie bei jedem Arzt angeben, ob Vorerkrankungen bestehen. Wahrheitsgemäß beantworte ich diese Frage immer schulterzuckend mit „Jo, ich hab MS.“

Nachdem ich zum ersten Termin schonmal bei Dr. Spaßbremse war, kamen die üblichen Überweisungen zu den üblichen Verdächtigen. Musste zur Abwechslung mal wieder ein MRT vom Schädel und der Halswirbelsäule machen und außerdem auf den elektrischen Stuhl (eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung machen lassen). Das hab ich alles brav gemacht und dann um erneute Audienz ersucht. Diese wird mir nach wochenlangem Warten nun in den nächsten Tagen gewährt. Obwohl ich mich jetzt nicht direkt auf den Termin freue, bin ich trotzdem gespannt was man mir denn da so erzählen wird. Und weil mir schon viele Fragen im Kopf rumschwirren, habe ich angefangen diese alle mal aufzuschreiben. Das sind die groben Themengebiete, die mich interessieren:

*) Therapie
*) Nebenwirkungen
*) Ernährung & Sport
*) Mein Job
*) Zukunft
*) Kinder

Das ist mal wirklich nur supergrob zusammengefasst. Mir schwirren tausend Dinge durch den Kopf und ich hab soviele Fragen. Leider weiß ich jetzt schon, dass ich nicht auf alles eine befriedigende Antwort bekommen werde. Das ist ja immer das Bescheuerte an dieser MS. Man kann es nicht sagen.

Melde mich nach dem Arzttermin wieder mit Updates und News.

Migräne und andere neurologische Probleme

Letztens wollte ich echt mal Postives hier schreiben. Es war so ein schöner, sonniger Samstag und wir waren am Wasser, ich hab ein neues persönliches und kreatives Projekt begonnen. Obwohl es immer noch Winter ist (Winterdepression hallo!!!), hat aber der Sonnenschein gut getan und es war zwar eisig kalt, aber ich konnte ein paar super Aufnahmen für mein neuestes Werk machen. Ja, das wollte ich echt alles schreiben. Nur um zu zeigen, dass ich nicht IMMER so super negativ bin.

Doch dann ging es los: Schmerzen. Mir tut alles weh, mein Nacken ist so verspannt und mein rechter Arm tut seit Tagen weh. Außerdem meine Beine. Ein äußerst komischer Zustand. Nicht im Sinne von witzig, mehr im Sinne von eigenartig. Ob es mit der MS zu tun hat?! Keine Ahnung. Das ist ja das Bescheuerte dran.

Gestern gipfelte das ganze in einer wirklich abscheulichen Migräne. Ihr müsst nämlich wissen: ich sammle neurologische Erkrankungen wie andere Menschen… was sammeln Menschen eigentlich noch? Und warum? Also, wenn man kein Messie ist, wozu sammeln? Vielleicht DVDs?! Das scheint mir zeitgemäß. Wo war ich?  Achja. Ich sammle also neurologische Erkrankungen wie andre Menschen DVDs.

Denn nur weil man so eine fiese Multiple Sklerose an der Backe hat, heißt das ja nicht, dass man nicht allerlei andre Beschwerden trotzdem haben kann. Leider denkt das Schicksal nicht „Oh, die Arme hat schon MS, da lass ich sie jetzt erstmal in Ruhe“ Nein, nein. Das Schicksal ist weder gnädig noch nett.

Und so leide ich – unter anderem – auch noch an Migräne. Liegt bei uns in der Familie. Meine Mutter hatte es, meine Schwester hat es und ich hab es auch. Die Anfälle kommen immer zu den ungüstigsten Zeiten. Okay, ich geb zu es gibt keine günstige Zeit für Migräne. Und so hab ich gestern Abend als ich noch am Arbeiten war gemerkt, wie die starken Kopfschmerzen immer schlimmer werden und sich plötzlich Übelkeit, Sehbeschwerden und Geruchsempflindlichkeit dazu gesellen. Es war eigentlich schon zu spät, aber ich hab sofort eine starke Schmerztablette genommen und mich in einen abgedunkelten, leisen Raum gelegt. Jeder Atemzug schmerzte so unendlich. Eine halbe Stunde später hab ich die zweite starke Tablette genommen. Nachdem ich fast 2 Stunden so dalag und mich am liebsten vor Schmerzen gekrümmt hätte (was ja nicht ging, denn jede Bewegung war unerträglich) dachte ich echt, dass mein letztes Stündlein geschlagen hat. Ich konnte den Schmerz und die anderen Beschwerden kaum ertragen. Und so liege ich da, in einem abgedunkelten, leisen Raum und mir kommen die Tränen. Ich bin eine erwachsene Frau und heule weil ich Kopfschmerzen hab. Als ich schon dachte, dass es bald vorbei ist mit meinem Leben bin ich kurz weggetreten. Ich weiß nicht in welchem Zustand ich war, aber für einige Zeit war alles schwarz. Als ich wieder zu mir kam, ging es mit den Schmerzen besser. Ich konnte sie also besser ertragen, sie waren immer noch allerheftigst.

Heute morgen bin ich aufgewacht – mit Kopfschmerzen. Die Hoffnung war immer noch da, dass es im Laufe des Tages besser wird. Doch jetzt ist es früher Nachmittag und ich spüre die nächste Migränewelle auf mich zukommen. Meine Augen sind schwach, mein Kopf schmerzt und diese Übelkeit meldet sich auch wieder. Ich werde gleich eine Tablette nehmen, aber ich weiß dass ich von denen nicht mehr als 3 in 24 Stunden nehmen soll. Ich weiß das sogar sehr gut, denn nach meiner Lumbalpunktion (Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit) vor fast 3 Jahren hab ich 7 Stück in 12 Stunden genommen. Fanden die Ärzte dann nicht so empfehlenswert. Seitdem passe ich besser auf wieviele ich nehme. Also ich kann noch eine nehmen und an dieser einen Pille hängt all meine Hoffnung. Drückt mir die Daumen!

Wenn ihr jetzt wissen wollt, was ich sonst noch so gesammelt habe: Neben Multipler Sklerose und Migräne hab ich auch eine schwere Form von RLS. Restless Legs Syndrom. Klingt harmlos, ist es in den meisten Fällen auch. Scheint eine Volkskrankheit zu sein, bei den meisten bleibt es unerkannt weil sie einfach nur die Beine nicht stillhalten können. Normalerweise kommt das erst im jungen Erwachsenenalter, ich jedoch habe eine seltenere Form – ich bin quasi schon mit diesen Schmerzen auf die Welt gekommen. Ich habe seit ich denken kann Beinschmerzen. Hauptsächlich nachts und manchmal unerträglich. Bis zu meinem 16. Lebensjahr wurde das gerne als Wachstumsschmerzen abgetan, danach war ich einfach nur noch Hypochonder oder bildete mir was ein. Bei wievielen Ärzten ich war kann ich gar nicht mehr zählen. Erst mit 22 Jahren und nach unzähligen Untersuchungen, Röntgen, Fehldiagnosen wurde es festgestellt. Es war so eine Erleichterung, dass ich wusste was es war. Dummerweise ist es nur nicht heilbar. Für jemanden, der das nicht kennt: Ich wurde von Ärzten oft gefragt, ob ich den Schmerz beschreiben kann. Es fühlt sich in etwa so an: Nachts versuchen böse Dämonen die Beine bei vollem Bewusstsein einfach abzureißen. (Diese Beschreibung hat den ein oder andren Arzt übrigens dazu veranlasst mich für verrückt zu erklären).

Tja, mittlerweile bin ich 30 Jahre alt und habe immer noch RLS, Migräne und als neueste Errungenschaft meiner Sammlung auch Multiple Sklerose. Wer bietet mehr?

Winterdepressionen

Nun bin ich ja von Natur aus schon nicht unbedingt der fröhlichste und positivste Mensch, aber im Winter erreicht das nochmal unübertroffeneTiefen. Ich weiß nicht ob es am mangelnden Sonnenschein oder der Kälte liegt, aber ich entwickle im Winter richtige Depressionen. Nichts macht mehr Spaß (also noch weniger als unter normalen Umständen), ich will nicht rausgehen (was soll ich da auch?!) und friere durchgehend (und das ist keine Übertreibung!).

Es ist mehr so ein Zeit absitzen. So wie früher im Büro, wenn man eigentlich überhaupt nichts mehr zu tun hat, aber einfach bis zum Ende der Arbeitszeit durchhalten muss. Genau so, nur anders. Ich versuche das halbe Jahr möglichst ohne bleibende psychische Schäden zu überstehen, aber es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Und die letzten drei Jahre fast unerträglich. Der Gedanke, dass ich ein halbes Jahr jedes Jahr einfach nur dahin vegetiere wo ich doch nichtmal weiß wieviele „gute“ Jahre ich noch vor mir hab macht mich einfach nur fertig. In der Zeit kann ich als Fotografin, die auf natürliches Licht und Outdoor Aufnahmen spezialisiert ist, natürlich auch nicht arbeiten. Im Sommer arbeite ich bis zur Burn-Out Grenze, hab Null Freizeit und Dauerstress, schlafe kaum und nehme mehrere Kilos ab und im Winter hab ich Langeweile und Depressionen. Natürlich gibt es immer ein wenig zu tun, Bürokram, E-Mails, Vorgespräche, Projekte planen etc. Aber so richtig das gelbe vom Ei ist es auch nicht.

Wie üblich greift hier der bei mir sehr stark geprägte Fluchtreflex. Ich will einfach nur weg. Ich will wo leben, wo die Sonne mehr scheint, die Menschen weniger verkrampft und kleinkariert sind (sorry Deutschland!) und ich auch gleichmäßiger übers Jahr arbeiten kann. Der neueste Tick: Australien. Bisher war es im Kalifornien, aber es scheint ja fast unmöglich zu sein an diese Green Card zu kommen. In Australien ist es nicht ganz so kompliziert, aber das ist dafür weiter weg und man kann nicht mal eben hinfliegen und schauen ob und wo man denn da wohnen möchte. Und wie kriegen wir unsere Katzen dahin? Und können wir soviel Geld sparen, um uns dort erstmal über Wasser zu halten? Am Liebsten würd ich meine Sachen packen und einfach abhauen. Auf unbestimmte Zeit. Rein ins Flugzeug, ab nach Australien, Lage checken und dann „einfach“ umziehen.

Wenn’s nicht so richtig läuft war immer meine Taktik: erstmal weg. Deshalb bin ich auch in 12 Jahren sicher 6 Mal umgezogen. Nirgendwo bin ich zuhause und nirgendwo fühle ich mich wohl. Und im  Winter steigert sich mein Unbehagen ins Unermessliche. Bäh.

Habt ihr Tipps gegen die Winterdepression? Also bitte nicht sowas wie „Lies ein Buch und entspann dich“. Done that, didn’t like it.

Jahrestag

Wir haben offiziell Jahrestag. Also ich und die MS. Obwohl ich nie danach gefragt habe, begleitet sie mich jetzt nun schon exakt drei Jahre meines Lebens. Vor drei Jahren ist all das passiert was ihr ausführlich unter „About“ lesen könnt. Es wurde der erste Schub diagnostiziert. Ein sehr heftiger Schub mit bleibenden Schäden.

In diesen drei Jahren hätte man meinen können, ich würde mich an den ungewollten Begleiter gewöhnen doch das war nicht der Fall. Sogar das Gegenteil – nach den ersten quälenden Monaten mit Untersuchungen, Unsicherheiten, Lumbalpunktion und alles was sonst noch keinen Spaß macht auf dieser Welt habe ich es einfach zur Seite geschoben. Gelegentlich holte es mich dank Schüben, Schmerzen oder Beschwerden zwar ein, aber so eine richtige Dauerlösung hab ich auch nach ganen drei Jahren nicht gefunden. Aber der Termin mit Dr. Spaßbremse rückt in greifbare Nähe und so werde ich vielleicht bald wissen was ich in Zukunft zu tun und zu lassen habe.

Aktuell quält mich übrigens grad eine sehr fiese Grippe (Immunsuppression hallo!), die irgendwie schon wieder meine Augen beeinflusst. Ich hab das Gefühl mein schon geschädigtes Aug ist wieder schlimmer und auf meinem gesunden sehe ich zur Zeit auch eher schlecht als recht. Macht mir schon große Sorgen, ich hoffe es vergeht wenn die Grippe vergeht, denn so fällt es mir schwer durch den Sucher meiner Kamera überhaupt irgendwas zu erkennen. Aber bevor man mir jetzt nachsagt, ich sei immer nur so negativ (wie kommen Menschen da überhaupt drauf?!) führe ich das jetzt einfach mal nicht weiter aus.

Stattdessen zeige ich euch ein Video, das auch ziemlich genau vor drei Jahren zum Welt MS Tag gedreht wurde und mich damals wie heute immer noch berührt: